Folgen und Belastungen für die Stadt: Bauzeit und Betrieb

Fakten:

  • Die Planung der Bundesautobahn A860 (Stadttunnel) liegt ab 1.1. 2021 bei der neuen Bundesautobahn GmbH mit Sitz in Berlin und Dependance in Freiburg. Das Regierungspräsidium bleibt Genehmigungsbehörde, ist aber nicht mehr zuständig für Planung und Bürgerbeteiligung.  
  • Beim Faulerbad wird sich die zu erwartende Steigerung des Verkehrsaufkommens in Ost-West- Richtung stark auswirken. Dort wird die vorliegende Planung durch eine zusätzliche Fahrspur mit ca. 8.000 Fahrzeugen/Tag die Belastung signifikant erhöhen und vorhandene Grünflächen vernichten. Ausgleichsmaßnahmen für den Verlust der dortigen Grünflächen sind nicht bekannt.
  • Der geplante Vollanschluss beim Ganterknoten ist mit diversen technischen und räumlichen Problemen belastet.
Foto: stadttunnel-freiburg.de
  • Die Details der geplanten Verkehrsführung der Tunnel Ein- und Ausfahrten während der Bauzeit sind bisher nicht bekannt, ebenso wenig die Folgen für die Wohnquartiere.
  • Die geplante Verkehrsführung (Bauzeit) ist für den Bereich Faulerstrasse seit 2014 bekannt. Sie wurde aber bisher nicht mit den Bürger*innen erörtert. 
  • Für den Bereich der Einfahrt im Westen (Angellschule) sind bisher auch der Begleitgruppe keine Pläne zur Verkehrsführung während der Bauzeit bekannt. 
  • In der letzten Sitzung der Begleitgruppe (10. Dezember 2020) wurde die Verkehrslenkung während der Bauzeit beim Ganterknoten erstmals aufgezeigt (mit 2-spuriger Straßenbahn), wohl aber nicht veröffentlicht. Für den Ganterknoten ist eine offene Baugrube geplant.
  • Eine Filterung der Tunnelabluft ist nicht vorgesehen. Die Abgasreduzierung erfolgt im Tunnel über das Verdünnungsprinzip (Zufuhr von Frischluft über die Portale)[16].

Probleme:

  • Die neue Bundesautobahn GmbH (statt bisher das RP Freiburg) wird zunehmend an Relevanz gewinnen mit dem Ziel, durch eine Zusammenfassung „in einer Hand“ Planung und Bau schneller und effizienter und die Genehmigungswege kürzer zu machen.  
  • Die Tunnel-Bauzeit droht ganz Freiburg in ein 7-10jähriges Verkehrschaos zu stürzen, von dem auch der ÖPNV (z.B. Linie 1) betroffen sein wird. Ob ein einspuriger oder zweispuriger Stadtbahnbetrieb aufrecht erhalten werden kann, ist bisher nicht klar.
  • Der Baustellenverkehr wird eine zusätzliche Belastung für den während der Bauzeit ohnehin belasteten Verkehrsraum darstellen.
  • Die Erreichbarkeit des Freiburger Ostens für Rettungsdienste (Feuerwehr, Rotes Kreuz u.a.) ist während der Bauzeit erheblich in Frage gestellt. Sie ist bereits heute deutlich eingeschränkt. Konzepte zur Lösung dieses Problems liegen bisher nicht vor.
  • Sicherheitsfragen rund um einen möglichen Tunnelbetrieb wurden bisher nicht öffentlich und transparent erörtert.
  • Durch einen Tunnel und seine Ein -und Ausfahrten wird es Verlagerungen der Verkehrsbelastung in Freiburg geben (z.B., aber nicht nur: Wiehre, Sedanquartier, Ring).

Standpunkte:

  • Für die Planung der Bundesautobahn durch Freiburg und des Stadttunnels fordern wir ein Moratorium, um Zeit für eine Neubewertung der Jahrzehnte alten Planung zu bekommen.
  • Einen Ausbau des Ganter-Knotens lehnen wir ab.
  • Ein Stadttunnel würde neue Engpässe und Stauräume schaffen, z.B. in Himmelreich und Falkensteig. 
  • Die Information der Bürger*innen über die Details der Planungen ist deutlich zu verbessern.
  • Bürger*innen wünschen sich auch mehr Informationen zu den Umweltbelastungen durch einen Tunnelbau (z.B. Grundwasser, Emissionen aus dem Tunnel) sowie zur Umwelt- und Ressourcenbelastung durch den Bau (z.B. Materialien wie Sand, Kies und den Transport und die Entsorgung von Baumaterialien).

[16] Prof. Dr.-Ing. Wolfang Baltzer, Beantwortung der Fragen vom 28.01.21 im Bau- und Mobilitätsausschuß der Stadt Freiburg